Die Wetterprognosen haben für diesen Tag das schönste Wetter der ganzen Woche versprochen. Aus diesem Grund haben wir uns am heutigen Tag auf den Weg in die Marmorsteinbrüche von Fantiscritti (oberhalb von Carrara) gemacht.
Eigentlich hat alles ganz gut angefangen. Mit Hilfe der Kollegen von Google (Google Maps) aus dem Silicon Valley machten wir uns mit dem Fiat 500L auf den Weg. Was wir nicht wussten: Es gib zwei Wege zu diesen Steinbrüchen: Einen für die LKWs, welche die tonnenschweren Marmorblöcke abtransportieren und einen Weg für den Normalverkehr. Dies war im Navi leider nicht ersichtlich. Wir wurden vor dem Tunneleingang von der lokalen Polizei mit Blaulicht abgefangen, mit Blaulicht eskortiert und auf die richtige Route umgeleitet. Grazie la Polizia! Diese Dienstleistung war übrigens kostenlos.
Der Weg hinauf, vom Meeresspiegel (0 m.ü.M.) bis zum Berg Fantiscritti (ca 630 m.ü.M.) schlang sich sehr kurvenreich durch immer enger werdende Strassen. Kein Problem für Passfahrer und im Alpenland aufgewachsene Mobilisten. Hin und wieder zweigten steile Wege ab, die mit gelben Schildern mit der Aufschrift „Cave NN“ (NN = zweistellig Zahl) beschriftet sind.
Circa 5 Minuten vor der geplanten Ankunftszeit am Zielort wurde die Strasse jedoch dermassen steil, dass der Horizont unter den Scheibenwischern (in Ruhestellung!) verschwand. Auch unser Cinque-Cento hatte Mühe im ersten Gang (!) diese Steigung zu bewältigen und reklamierte mit durchdrehenden Rädern. Erstaunlicherweise waren auch sonst keine Kleinfahrzeuge mehr anzutreffen. Es gab nur noch die riesigen Bulldozer welche die tonnenschweren Marmorblöcke herumtransportieren. So mussten wir feststellen, dass wir wohl anstelle der richtigen Route eine Abzweigung zu einem Steinbruch erwischt haben — und somit wohl auch das Fahrverbotsschild für Privatfahrzeuge übersehen hatten.
Es gelang uns, den Cinque-Cento an diesem Steilhang auf engstem Raum zu wenden um wieder auf die richtige Route zu kommen um doch noch pünktlich zur offiziellen Steinbruch-Tour (mit 4×4 Jeep) zu erscheinen.
Mit dem Jeep (und einem Guide als Chauffeur) und zwei ausserordentlich rüstigen Ü-82ern ging es dann weiter hoch zu den Steinbrüchen mit den Abbauarbeiten des Marmors auf ca. 1000 m.ü.M.
Es war sehr eindrücklich, aus nächster Nähe zu erleben wie die Gewinnung des Marmors funktioniert. Da durch den Abbau ganze Berge abgetragen und/oder verändert werden, kann dies Einfluss auf das Wetter und Klima in dieser Gegend haben. Offenbar besteht ein grosser Teil der Apuanischen Alpen aus Marmor und es gibt insgesamt drei grosse Abbaugebiete (Fantiscritti ist eines davon) mit über 100 aktiven Steinbrüchen wo tagtäglich Tonnen von Marmor abgebaut werden.
Der Marmor von Carrara ist weltweit bekannt und gehört zu den edelsten seiner Klasse. Wir haben bereits Marmor aus diesen Steinbrüchen sehen können, nämlich im Dom von Florenz, dem Campanile von Pisa und dem Dom von Siena. Ebenfalls Michelangelo hat für die David-Statue einen Marmorblock aus diesen Steinbrüchen verwendet.
Heute ist das ganze Gebiet ein Nationalpark. Damit einhergehend wurden auch Regeln vorgegeben, welche dem wilden und rücksichtslosen Abbau ein wenig entgegenwirken sollen.




































Nach den spannenden Eindrücken und technischen Erläuterungen durch den Guide konnten wir im kleinen lokalen Outdoor Museum die Geschichte der Marmorgewinnung nachvollziehen.
Den Rest des Nachmittags verbrachten wir in Carrara (Kaffee in der Pasticceria Caflish) und in der grossen Hafenstadt La Spezia, welche direkt an unserem Rückweg nach Porto Venere liegt.



















